[Pressemitteilung] Wir kritisieren mangelhafte Information und jahrelange Versäumnisse beim Bahnverkehr
„So kann keine Verkehrswende gelingen“
Landsberg am Lech – Überfüllte Züge, massive Einschränkungen und verlängerte Fahrzeiten bestimmen aktuell den Alltag vieler Pendler*innen im Landkreis Landsberg. Besonders empört sind wir darüber, wie sporadisch und verspätet darüber informiert wurde, dass viele Menschen in den kommenden Wochen und Monaten nicht mehr ohne erhebliche Verzögerungen pendeln können.
Tägliches Hoffen und viel Planung sind nötig, um überhaupt am Ziel anzukommen. Für uns ist es ein Armutszeugnis, dass Pendler*innen erst so spät erfahren, wenn sich Fahrzeiten verdoppeln, Züge nur noch bis Pasing fahren oder Umwege über Busse notwendig werden.
Die aktuelle Situation insgesamt halten wir für untragbar.
Dass Gleise erneuert werden, damit die Züge künftig nicht mehr abbremsen müssen, begrüßen wir ausdrücklich, allerdings sind weder die Kommunikation noch der schlecht organisierte Ersatzverkehr zumutbar.
Pendler*innen stehen morgens im Chaos, während politische Verantwortungsträger beschwichtigen oder schweigen. So kann keine Verkehrswende gelingen.
Für uns ist klar: Das Bahnchaos ist kein Naturereignis, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Angefangen bei der Privatisierung der Bahn, über das jahrelange Verschleppen notwendiger Ausbauten und falsch gesetzte Prioritäten bis hin zum ständigen Vertrösten der Fahrgäste. Ein Beispiel: Auf der Strecke von München nach Kaufering und weiter ins Allgäu fahren Fern- und Regionalzüge, der Güterverkehr und bis Geltendorf die S-Bahnen. Die Strecke ist überlastet, zwei Engpässe behindern den Verkehr: Der eingleisige Abschnitt Buchloe-Hergatz und die zweigleisige Strecke Geltendorf-Pasing. Dadurch wird ein besseres und zuverlässiges Angebot für alle aus dem Landkreis Landsberg blockiert.
Die CSU-Staatsregierung hatte versprochen, den Abschnitt Pasing-Buchenau bis 2010 viergleisig auszubauen. Doch das Projekt wurde immer wieder verschoben. Dabei hat dieser Zweig der S-Bahn im Umland mehr Fahrgäste als alle anderen.
Gerade hat Landrat Thomas Eichinger (CSU) ein Positionspapier des MVV mitverfasst: Demnach soll der viergleisige Ausbau frühestens 2040 kommen. Im Text heißt es, dass 2050 aber wirklich alle S-Bahnen auf eignen zwei Gleisen fahren sollen.
Die Landkreis-CSU und ihre Abgeordneten Alexander Dorow (Landtag) und Michael Kießling (Bundestag) schweigen zu dieser neuen Verschleppung.
Aber wenn alles klappt, beseitigt die CSU ihr Bahnchaos vor Errichtung der ersten Raumstation auf dem Mars.
Dass es auch anders geht, zeigen Nachbarländer wie die Schweiz oder Österreich. Dort wird Bahnverkehr als öffentliche Daseinsvorsorge verstanden, nicht als Geschäftsmodell. Gewinnmaximierung steht – anders als in Deutschland – nicht im Vordergrund. So kann bedürfnisorientiert geplant und investiert werden.
Wir benennen deshalb auch die politischen Verantwortlichen: Die Staatsregierung unter CSU-Führung trägt eine zentrale Mitverantwortung für den Zustand der Infrastruktur. Und auch auf Landkreisebene erwarten wir endlich mehr Druck. Der Landrat muss erklären, warum Projekte immer wieder verzögert werden und warum Pendler*innen nicht rechtzeitig informiert wurden.
Uns ist klar, dass die Probleme im Bahnverkehr kein einzelner Akteur allein lösen kann. Es braucht eine Zusammenarbeit zwischen Bund, Land und Kommunen – doch genau daran scheitert es seit Jahrzehnten. Während Pendler*innen täglich die Folgen spüren, werden Entscheidungen auf kommunaler und Landesebene immer wieder verschoben, verschleppt oder ausgesessen, statt endlich konsequent angegangen zu werden.
Gerade deshalb erwarten wir vom Landrat und der Staatsregierung mehr als Durchhalteparolen. Wer Verantwortung trägt, muss auch den politischen Druck erhöhen - statt Projekte nur immer weiter in die Zukunft zu schieben.
Wir wollen deutlich machen, wer politische Verantwortung trägt und wo Veränderungen möglich sind. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie sich das nicht alles kommentarlos gefallen lassen müssen. Der Landkreis als MVV-Gesellschafter kann und muss Einfluss nehmen – genau hier setzen wir an.
Unsere Forderungen sind klar:
- viergleisiger Ausbau der S4
- Beseitigung der Engpässe zwischen Buchloe und Hergatz
- Elektrifizierung der Ammerseebahn
- Reaktivierung und Elektrifizierung der Fuchstalbahn
- transparente und frühzeitige Information für alle Pendler*innen bei Schienenersatzverkehr
Wir sind überzeugt: Eine echte Verkehrswende ist aus sozialen und ökologischen Gründen längst überfällig und beginnt nicht mit schönen Worten, sondern mit ehrlicher, transparenter Politik und funktionierender Infrastruktur.
Wer die Realität am Bahnsteig ignoriert, verspielt nicht zuletzt das Vertrauen der Menschen.
Dateien
- Pressemitteilung_Bahn.pdf
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